Von der ersten Segelstunde zur ersten gemeinsamen Regatta

Von der ersten Segelstunde zur ersten gemeinsamen Regatta

Eine besondere Geschichte über Freundschaft, Teamwork und ein unvergessliches Erlebnis auf dem Stausee

Ein Segelerlebnis geschildert von Julio Martins Nogueira Napoles

Manchmal entstehen die schönsten Erlebnisse ganz spontan – und manchmal beginnt eine solche Geschichte mit einer einfachen Einladung: „Komm doch einmal mit zum Segeln.“

So begann auch die Geschichte meiner ersten gemeinsamen Regatta mit meinem Freund Hinan Khan.

Hinan kommt aus Pakistan 🇵🇰 und studiert an der Brandenburgischen Technischen Universität Cottbus-Senftenberg (BTU) im Masterstudiengang Künstliche Intelligenz. Kennengelernt haben wir uns vor mehr als zwei Jahren durch die Empfehlung eines Professors, mit dem ich während meines eigenen Informatikstudiums verbunden war.

Seitdem haben wir nicht nur beruflich in den Jahren 2025 und 2026 zusammengearbeitet, sondern auch eine Freundschaft entwickelt.

Ich selbst bin seit etwa drei Jahren Mitglied im Segelverein und irgendwann kam die Idee auf, Hinan mit aufs Wasser zu nehmen. Aus dieser ersten Idee wurden schließlich vier gemeinsame Segeltage, an denen ich ihm die Grundlagen, das Boot und die verschiedenen Aufgaben an Bord gezeigt habe.

Viel Zeit zum Trainieren hatten wir also nicht.

Trotzdem entschieden wir uns: Wir machen es. Wir nehmen gemeinsam an der Pokalregatta am Stausee teil.

Unsere erste gemeinsame Regatta

Für die Regatta hielten wir unsere Aufgaben bewusst einfach. Hinan sollte sich auf eine Seite des Bootes konzentrieren und bei stärkerem Wind beim Ausreiten möglichst weit nach außen gehen, um das Boot zu stabilisieren. Ich übernahm die übrigen Aufgaben.

Was wir zu diesem Zeitpunkt noch nicht wussten: Dieser Tag würde uns eine ganze Reihe neuer Erfahrungen bringen.

Bereits während der Wettfahrten zeigte sich, dass der Wind zunehmend stärker wurde. Gleichzeitig wurde deutlich, dass unser relativ hohes Gesamtgewicht von rund 150 kg auf dem Boot bei diesen Bedingungen durchaus ein Vorteil sein konnte. Wir konnten das Boot bei stärkerem Wind gut stabilisieren und wurden mit zunehmender Windstärke immer schneller.

Die erste Wettfahrt am Vormittag lief für uns noch nicht besonders gut – wir lagen ungefähr auf dem vorletzten Platz.

Aber wir lernten schnell dazu. Und dann wurde es richtig spannend.

Ein Moment, den wir nicht vergessen werden

Während einer Wettfahrt war Hinan außerhalb des Bootes, um bei dem starken Wind das Boot zu stabilisieren. Plötzlich riss ein Seil.

Hinan verlor den Halt und fiel ins Wasser.

Für ihn selbst ging alles so schnell, dass er sich später kaum noch an den eigentlichen Ablauf erinnern konnte. Glücklicherweise trug er – wie bei einer Regatta vorgeschrieben und für uns selbstverständlich – eine Rettungsweste.

In diesem Moment zeigte sich, wie wichtig diese Sicherheitsmaßnahme ist.

Das Rettungsboot war schnell zur Stelle und konnte Hinan sicher aus dem Wasser holen. Für uns bedeutete der Zwischenfall natürlich einen erheblichen Schreck und auch einen Zeitverlust.

Nach dem ersten Schock wollten wir jedoch weitermachen.

Wir gingen wieder an den Start – und tatsächlich sollte sich der Tag noch zu unseren Gunsten entwickeln.

Vom vorletzten Platz auf Platz zwei

Mit zunehmendem Wind kamen wir immer besser mit dem Boot und den Bedingungen zurecht.

Bei unserer dritten Wettfahrt am Nachmittag konnten wir uns schließlich bis auf den zweiten Platz vorarbeiten.

Für uns war das ein großartiges Ergebnis – insbesondere wenn man bedenkt, dass wir erst vier gemeinsame Trainingseinheiten hinter uns hatten und dies unsere allererste Regatta als Team war.

Dabei ging es für uns gar nicht in erster Linie um einen guten Platz.

Es ging darum, gemeinsam etwas Neues auszuprobieren, voneinander zu lernen und als Team zu funktionieren.

Und genau das haben wir an diesem Tag erlebt.

Segeln verbindet

Was mir an dieser Regatta besonders in Erinnerung bleiben wird, ist aber nicht nur der Wind, der spannende Wettkampf oder unser zweiter Platz.

Es ist vor allem die Gemeinschaft.

Trotz des niedrigen Wasserstandes des Stausees wurde die Regatta mit viel Engagement ermöglicht. Nach den Wettfahrten wurde gemeinsam gegrillt, gegessen und sich ausgetauscht.

Für Hinan war es außerdem eine schöne Erfahrung, mit vielen Vereinsmitgliedern auch auf Englisch sprechen zu können. So wurde aus einem sportlichen Wettkampf schnell ein internationales und persönliches Miteinander.

Genau das macht für mich den Segelverein so besonders.

Segeln verbindet Menschen – unabhängig von Alter, Herkunft oder beruflichem Hintergrund.

Vom Kind bis zum Erwachsenen und vom Anfänger bis zum erfahrenen Segler: Jeder kann etwas beitragen, etwas lernen und neue Menschen kennenlernen.

Und manchmal wird aus einer Einladung zum Segeln eine Freundschaft – und aus vier Trainingstagen eine erste gemeinsame Pokalregatta.

Danke an den Segelclub Blau-Weiß

Ein herzliches Dankeschön an den Segelclub Blau-Weiß für die Organisation, die Unterstützung und diesen besonderen Tag.

Für Hinan und mich war es die erste gemeinsame Regatta – und definitiv eine Erfahrung, die wir nicht vergessen werden.

Ich freue mich schon auf die nächsten gemeinsamen Stunden auf dem Wasser. ⛵

Maritime Grüße Julio Martins Nogueira Napoles