Wer in den vergangenen Wochen aufmerksam auf unseren See geschaut hat, kann die Veränderung inzwischen kaum noch übersehen: Der Wasserstand der Talsperre Spremberg sinkt – und das derzeit ziemlich deutlich.
Die aktuelle Wasserstandskurve zeigt den Verlauf eindrucksvoll. Nachdem der Stausee im Mai noch einen vergleichsweise hohen Füllstand erreicht hatte, geht es seit Anfang Juni steil bergab. Am 7. Juli 2026 um 10:00 Uhr lag der Wasserstand bei 90,80 Metern NHN. Allein anhand der Kurve wird sichtbar, wie außergewöhnlich schnell sich das Bild unseres Sees derzeit verändert.

Hintergrund der gezielten Absenkung sind notwendige Arbeiten am Staudamm. Nach Informationen der Stadt Spremberg/Grodk und des Landesamtes für Umwelt hat sich auf der wasserseitigen Steinpackung des Dammes über die vergangenen Jahre zunehmend Bewuchs entwickelt. Es bestehen Bedenken, dass Wurzeln in die Lehminnendichtung einwachsen und damit die Sicherheit des Staudammes beeinträchtigen könnten.
Da verschiedene mechanische und thermische Verfahren in der Vergangenheit keinen nachhaltigen Erfolg gezeigt haben, soll der Bewuchs im August 2026 nun gezielt mit einem systemisch wirkenden Pflanzenschutzmittel behandelt werden. Der Wirkstoff wird von den Pflanzen aufgenommen und soll deren weitere Entwicklung dauerhaft stoppen. Damit bei der Anwendung die vorgeschriebenen Mindestabstände zum Gewässer eingehalten werden können, ist die starke Absenkung des Wasserstandes überhaupt erst notwendig.
Der Wasserstand soll unter 90 Meter sinken
Damit die vorgeschriebenen Abstände zum Gewässer bei den geplanten Arbeiten eingehalten werden können, muss der Wasserstand bis Anfang August auf höchstens 90,00 Meter NHN abgesenkt werden. Zwischenzeitlich ist sogar ein Wasserstand von etwa 89,70 Metern NHN möglich.
Die aktive Absenkung begann Anfang Juni bei einem Wasserstand von 92,08 Metern. Im Mittel soll der Pegel um etwa 3,5 Zentimeter pro Tag sinken. Die von uns beigefügte Wasserstandskurve zeigt sehr anschaulich, dass diese Absenkung inzwischen in vollem Gange ist.
Ab dem 3. August soll der notwendige niedrige Wasserstand erreicht und für die Dauer der Arbeiten gehalten werden. Wie lange dies erforderlich sein wird, hängt unter anderem von der Witterung ab. Ziel ist es, die Maßnahme möglichst im August abzuschließen und anschließend mit der Wiederauffüllung der Talsperre zu beginnen.
Ein ungewöhnlicher Wasserstand für unseren See
Ganz unbekannt ist ein derart niedriger Wasserstand am Stausee allerdings nicht. Im Jahr 2014 wurde die Talsperre im Zuge umfangreicher Sanierungsarbeiten am Staudamm sogar bis auf etwa 89,0 Meter NHN abgesenkt. Die für August 2026 angekündigten möglichen 89,70 Meter liegen damit noch rund 70 Zentimeter über dem damaligen Sanierungswasserstand. Also zu damals noch 70cm mehr.
Wer sich nicht mehr erinnern kann hier ein paar Bilder 😉
Interessant ist dabei auch die besondere Rolle unserer Talsperre für die Spree und den Spreewald. Das Niedrigwasserkonzept Mittlere Spree sieht für die Bewirtschaftung der Talsperre saisonale Stauziele vor. Für Ende August ist dort beispielsweise ein Stauziel von 90,45 Metern NHN ausgewiesen. Die Talsperre dient unter anderem dazu, in niederschlagsarmen Zeiten Wasser an die Spree abzugeben und damit das mittlere Spreegebiet zu stützen.
Wie bedeutend diese Speicherfunktion ist, zeigte beispielsweise das Jahr 2019: Damals wurde die Talsperre bis auf rund 90,4 Meter NHN abgesenkt. Dabei wurden etwa neun Millionen Kubikmeter Wasser für die Unterlieger, darunter den Spreewald und die Wasserversorgung, freigegeben.
Die nun für 2026 geplante Absenkung auf möglicherweise 89,70 Meter geht damit noch einmal deutlich unter diese aus der Niedrigwasserbewirtschaftung bekannten Werte.
Was bedeutet das für uns Segler?
Für uns als Segelclub und natürlich auch für alle anderen Wassersportler wird die Absenkung deutlich sichtbar und spürbar sein. Mehr als zwei Meter weniger Wasser gegenüber dem normalen Stauziel verändern unseren See erheblich.
Uferbereiche werden trockenfallen, vor Bagenz wird sich eine riesige Landfläche auf tun. Gewohnte Wassertiefen verändern sich. Bereiche die sonst immer tief genug sind werden an vielen Stellen flach werden. Auch beim Slippen, An- und Ablegen sowie bei der Wahl unserer Trainingsbereiche werden wir uns auf die veränderten Bedingungen einstellen müssen. Die Betonbahn wird zu kurz sein.
Gleichzeitig dürfte sich uns in den kommenden Wochen ein eher seltenes Bild der Talsperre bieten. Bereiche des Sees, die normalerweise vollständig unter Wasser liegen, werden stark sichtbar. Für uns Segler heißt das aber vor allem: der hintere Teil des Sees ist Tabu. Nur wer sich auskennt sollte das machen. Auch das aussteigen an neuen „trockenen“ Flächen kann zur Gefahr werden. Teilweise sackt man bis zu 1,20 m tief in den rabenschwarzen Schlick ein. Es ist also Vorsicht geboten.
Wir werden die Entwicklung des Wasserstandes aufmerksam verfolgen und unseren Trainings- und Segelbetrieb bei Bedarf anpassen.
Die ausführlichen Informationen zur geplanten Maßnahme sind in der Originalmeldung der Stadt Spremberg/Grodk zu finden. Weitere grundsätzliche Informationen zur Talsperre und ihrer wasserwirtschaftlichen Bedeutung stellt das Landesamt für Umwelt Brandenburg bereit.





















